"Doc" Pomus
Jerome "Doc" Pomus wurde am 27. Juni 1925 in New York geboren, wo er in einem relativ armen Stadtviertel aufwuchs.

Nicht weniger als 18 Lieder, die Elvis zwischen 1960 und 1966 aufnahm, stammen aus der Feder von Doc Pomus, oft in Zusammenarbeit mit Mort Shuman geschrieben.

Obwohl er seit frühester Kindheit an Kinderlähmung litt, spielte er schon mit 15 in seiner Nachbarschaft Saxophon. Damit seine Eltern nichts davon erfuhren, legte er sich den Namen "Doc" zu. Im Alter von 18 machte Doc seine ersten Platten, als Sänger und Pianist. Das Schreiben von Liedern ging ihm nach eigener Aussage in dieser Zeit nur schwer von der Hand. Trotzdem nahm der berühmte Rhythm & Blues-Sänger Joe Turner am 19. April 1951 das von Pomus geschriebene Still in love auf, allerdings wurde es kein Hit, hatte noch nicht einmal eine Chartplatzierung aufzuweisen. Als er etwa 29 oder 30 Jahre alt war, brachte ihn ein Cousin mit Mort Shuman zusammen, immerhin elf Jahre jünger als Doc. Er erhielt zuerst nur 10% der Einnahmen aus den gemeinsam geschriebenen Liedern, aber nach etwa drei Jahren wurden beide gleichberechtigte Partner. Pomus hatte ein Lied namens Young blood geschrieben, an dem Mike Stoller starkes Interesse hatte. Pomus erklärte sich einverstanden, dass Leiber und Stoller das Lied etwas veränderten und eines Tages im Jahre 1967 - Pomus war gerade von seiner Hochzeitsreise zurück - entdeckte er die Platte von den Coasters in einer Musikbox. Er rief die Plattenfirma an, um seine Ansprüche geltend zu machen und erhielt lumpige 1500 Dollar - sein Name war auf der Platte nicht einmal erwähnt.

Seine eigene Plattenkarriere endete 1956, nachdem er zahlreiche Lieder, meist selbst geschriebene Bluestitel, für Labels wie Apollo, Coral und Groove aufgenommen hatte. Es war für einen Weißen damals ungewöhnlich, Blues oder gar Rhythm & Blues zu singen, aber Pomus war mit dieser Musik groß geworden, hatte viel mit Farbigen zu tun und trat in Kneipen auf, wo selten ein Weißer hinkam.

Durch Otis Blackwell, den er aus Brooklyn kannte, kam er zu einem Vertrag mit Hill & Range, die ihn als Liederschreiber verpflichteten, zusammen mit Shuman. Das brachte ihm 200 Dollar pro Woche und Shuman erhielt 100 Dollar. Kein Geringerer als der damals noch unbekannte Bobby Darin sang die Demos für Pomus & Shuman.

Als Pomus gefragt wurde, wie er vom Blues zum Rock'n'Roll kam, sagte er, er habe Frankie Lymons Why do fools fall in love und Elvis' Mystery Train gehört und die Lieder gefielen ihm. Als er Elvis erstmals im Fernsehen sah, habe er gelacht, denn der wirkte auf ihn, als käme er aus den Sümpfen. Pomus hatte bis dahin nicht viel über seinen Job nachgedacht. Es gab zu dieser zeit so gut wie keine Kritiken, nicht die Betrachtungsweise von heute. Rock'n'Roll hatte keinen Stellenwert, er wurde als vorübergehendes Ärgernis betrachtet.

Einst gab Pomus ein Statement über den Rock'n'Roll ab, in dem er Little Richard, Otis Blackwell, Chuck Berry, Phil Spector, Jerry Lee Lewis und Elvis als die Genies des Rock'n'Roll und die Beatles als ihre Kinder bezeichnete. Elvis deshalb, weil er in einem Lied etwas sah, was andere darin nicht sahen, obwohl er nie ein Lied selbst schrieb. "Ich sah einer neuen Elvisplatte immer mit hohen Erwartungen entgegen, weil es da immer etwas Neues für mich gab. Er kopierte das vorliegende Demo zwar exakt, aber was er alles hinzufügte!"

Im Laufe der Jahre schrieb Doc Pomus weit über tausend Lieder. Durch den Beginn der Beatära Mitte der sechziger Jahre waren Pomus/Shuman-Kompositionen nicht mehr so gefragt. Als Shuman dann Amerika den Rücken kehrte, um in Paris zu leben, begann für Pomus eine Zeit der Untätigkeit, was schlimm für ihn war, da er inzwischen vollständig an den Rollstuhl gefesselt war. Erst Ende der siebziger Jahre begann er wieder zu schreiben.

Doc Pomus hat Elvis nie getroffen, hat aber nach eigener Aussage einmal am Telefon mit ihm gesprochen. "Es war zu der Zeit, als Elvis His latest flame aufnahm. Das Aufnahmeteam kam mit dem Text nicht zurecht. Ich erklärte meinem Gesprächspartner die entsprechenden Textstellen, merkte aber nicht, dass ich mit Elvis selbst sprach. Das kam mir erst später ins Bewusstsein." 1972 sah er Elvis bei der berühmten Pressekonferenz im New York Hilton und hätte ihn gerne gesprochen, doch der Colonel ließ ihn nicht zu Elvis, mit der Begründung, er stelle Elvis keine Liederschreiber vor. Zufällig lernte Pomus am selben Abend Elvis' Vater Vernon kennen und erzählte, was ihm passiert war. Vernon entgegnete: "Mensch, Elvis würde sie gerne kennenlernen, ich arrangiere das." Doch Elvis hatte das Hotel bereits verlassen.

Darüber befragt, welches seiner Lieder ihm von Elvis am besten gefalle, nannte er A mess of blues.

Kompositionen von Doc Pomus, die Elvis gesungen hat:
A mess of blues
Doin' the best I can
Surrender
Little sister
His latest flame
Kiss me quick
Gonna get back home somehow
Suspicion
I feel that I've known you forever
Night rider
She's not you
Long lonely highway
Viva Las Vegas
I need somebody to lean on
Girl happy
What every woman lives for
Never say yes
Double trouble