Jerry Leiber / Mike Stoller

Ein wesentlicher Bestandteil von Elvis' Erfolgen in den fünfziger Jahren waren die Kompositionen des Erfolgsteams Jerry Leiber/Mike Stoller.

Beginnend mit Hound dog nahm Elvis nicht weniger als 24 Titel auf, die von ihnen geschrieben wurden, wenn auch nicht immer direkt für ihn. Von diesen 24 Liedern erhielten 7 eine goldene Schallplatte und 9 kamen ub die "Hot 100" von "Billboard".

Jerry Leiber wurde am 25. April 1933 in Baltimore geboren und zog später nach Los Angeles. Mike Stoller, geboren am 13. März 1933 in New York, kam 1948 nach Los Angeles. Obwohl sie verschiedene Schulen besuchten, führte ihr gemeinsames Interesse an der Bluesmusik sie schließlich irgendwann zusammen.

Jerry sagte einmal in einem Interview, er sei in einer Gegend aufgewachsen, in der Weiße und Schwarze gewohnt hätten. Hier kamen seine ersten musikalischen Einflüsse her. Als er etwa 16 Jahre alt war, begann er seine ersten Songtexte zu schreiben. Nun brauchte er jemanden, der ihn dazu die Musik schrieb. Es kam, wie es kommen musste: durch einen Freund erfuhr Jerry, dass es auf dem City College jemanden gab. Er rief Mike Stoller an und erklärte ihm, was er wollte. Mike, zuerst gar nicht so begeistert, er liebte mehr klassische Musik, stellte beim ersten Zusammentreffen fest, dass es sich um Bluessongs handelte und die hatte er auch schon immer gemocht.

Einige ihrer ersten Songs konnten sie bei Aladdin-Records verkaufen. Der allerstere Titel, der aufgenommen wurde, war wohl der Titel That's what the good book says von The Robins im Jahre 1951. Vor einem Blueskonzert, das im Juli 1951 in Los Angeles stattfinden sollte, suchten Jerry und Mike alle Künstler auf, die dort auftreten sollten und boten ihre Songs an. Jimmy Witherspoon akzeptierte Real ugly woman und nahm es auf. Das Gleiche tat Floyd Dixon mit Too much jelly roll.

Doch den ersten Hit mit einer Leiber/Stoller-Komposition hatte Charles Brown mit Hard times, es kam Anfang 1952 bis auf Platz 7 der R&B-Hitparade. Doch da die Stilrichtungen damals noch streng in Pop, Country und Rhythm & Blues unterteilt waren, wurden nicht mehr als 80.000 Stück davon verkauft. Seit den sechziger Jahren gibt es hier oft Überlappungen, die die Verkaufszahlen natürlich in die Höhe treiben.

Nun wurden ihre Songs von Bluesleuten wie Peppermint Harris, Bullmoose Jackson und Lucky Millinder aufgenommen.

Im August 1952 nahm die schwergewichtige farbige Sängerin Willie Mae "Big Mama" Thornton den Titel auf, der 4 Jahre später einer der größten Hits von Elvis Presley war, nämlich Hound dog. Er kam am 21. März 1953 in die R&B-Hitparade und war 6 Wochen die Nr. 1. Bald waren eine halbe Million Platten davon umgesetzt, ungewöhnlich für diese Zeit. "Big Mama" sagte später dazu: "Leiber und Stoller waren damals noch Halbwüchsige, die hatten dieses Lied auf einer braunen Papiertüte niedergeschrieben. Ich sang den Text und fügte selbst ein paar Worte ein, der Sprechgesang dazwischen, das ist von mir."

Als kurz danach der Antwortsong Bear Cat, gesungen von Rufus Thomas (Sun Records), ebenfalls in der Hitparade auftauchte, wurde Sam Phillips vom Besitzer des Peacock-Labels, Don Robey, verklagt. Melodie und Text waren zu ähnlich. Phillips erklärte sich bereit, an Robey 2 Cents pro verkaufter Platte zu zahlen.

Auch Johnny Otis, Rhythm & Blues-Sänger und Bandleader griechischer Abstammung, erhob Anspruch auf Hound dog. Für kurze Zeit kassierte er 50% aus den Verkäufen, doch nachdem Jerry und Mike vor Gericht einen Prozess gegen ihn gewonnen hatten, durfte sein Name nicht mehr auf der Platte erscheinen.

Bei Modern und Federal wurden Jerry und Mike nun auch so etwas wie Produzenten, d.h. sie waren bei jeder Aufnahmesession dabei und passten auf, dass die Lieder so aufgenommen wurden, wie sie es sich vorgestellt hatten. Die Gruppe The Robins, die 1951 den ersten Leiber/Stoller-Titel aufgenommen hatte, bekam zwei Jahre später einen Vertrag bei RCA-Victor. Auch Leiber und Stoller waren als Produzenten dabei. In dieser Zeit schrieben sie für die Robins einen der ersten Gefängnis-Songs, Ten days in jail. Hier war von Text und Arrangement her schon der Stil für die später so erfolgreichen Coasters-Songs wie Charlie Brown festgelegt (die Robins nannten sich später mit teilweise anderer Besetzung "Coasters".

Ende 1953 entschlossen sich Jerry Leiber und Mike Stoller, eine eigene Plattenfirma (SPARK) und einen Musikverlag (Quintet Music) zu gründen. Bei den Sessions spielte Mike Stoller Klavier, die anderen waren Studiomusiker aus Los Angeles. Hier entstand auch die Originalversion von Love me, gesungen von Willie & Ruth, ein Lied, das Jerry und Mike für eines ihrer schlechtesten halten, aber zwei Jahre später hatte Elvis großen Erfolg damit.

Der erste nationale Pophit war Black denim trousers von den Cheers im Herbst 1955, die Platte kam bis Platz 6 der Charts.

Die wichtigste Gruppe bei SPARK aber waren die Robins, die späteren Coasters. Sie nahmen die Leiber/Stoller-Kompositionen Riot in cell block No. 9, Framed und Smokey Joe's Café auf, letztgenannter Titel kam Ende 1955 in die R&B- und in die Pop-Charts. Nun wurden die Besitzer der Plattenfirma Atlantic, der wichtigsten der unabhängigen Plattenfirmen, aufmerksam und schlossen mit Jerry Leiber und Mike Stoller einen Vertragm durch den die Robins-Titel in ihren Besitz übergingen. SPARK stellte kurz danach alle Aktivitäten ein. Leiber und Stoller wurden unabhängige Mitarbeiter bei Atlantic/Atco, sie produzierten die Aufnahmesessions für die Robins, die sich ab 1956 Coasters nannten, nachdem zwei Mitglieder ausgetauscht wurden. Hier kamen dann auch die großen Hits, mit denen man die Namen Coasters, Jerry Leiber und Mike Stoller assoziiert: Searchin' (1957), Yakety Yak (1958), Charlie Brown, Poison Ivy (1959).

1957/58 schrieben Jerry und Mike auch die ersten Lieder speziell für Elvis: zwei für den Film Loving you, vier für Jailhouse Rock und drei für King Creole. Leider gingen manchen dieser Lieder der typische Leiber/Stoller-Humor verloren, es waren reine Auftragsarbeiten. Die Komponisten führen das auf den sterilisierenden Einfluss des Riesenkonzerns RCA zurück. Trotzdem sind die besseren dieser Lieder, wie Jailhouse Rock, Baby I don't care, Treat me nice, King Creole und Trouble zu Recht Klassiker geworden. Nach 1960 nahm Elvis zwar noch 11 Leiber/Stoller-Titel auf, aber nur 3 davon waren speziell für ihn geschrieben.

Für Jerry und Mike folgten nun Jahre, in denen ihre Kompositionen nahezu alle zu Hits wurden. Kansas City mit Wilbert Harrison, Love potion No. 9 mit den Clovers, Dance with me mit den Drifters, Saved mit Lavern Baker, Stand by me mit Ben E. King, um nur die wichtigsten zu nennen. Bei den Drifters-Aufnahmen führten sie erstmals Geigen und einen lateinamerikanischen Rhythmus in die Rockmusik ein. Diese Neuerung war im Erfolg vergleichbar mit der Einführung der elektrischen Gitarre. Danach gab es kaum noch R&B-Titel ohne Geigen, der lateinamerikanische Rhythmus inspirierte den späteren Erfolgskomponisten Burt Bacharach, diesen bei seinen Titeln zu übernehmen. Ohne Zweifel wurde die im Jahr darauf (1960) beginnende weiche Welle auch von Jerrys und Mikes Ideen inspiriert.

1964 gründeten sie zwei eigene Plattenfirmen, Red Bird und Blue Cat und produzierten nicht weniger als 25 Hits in zwei Jahren, darunter Chapel of love von den Dixie-Cups, I wanna love him so bad von den Jelly Beans und Leader of the pack von den Shangri-Las, die allerdings keine Kompositionen von ihnen waren.

Mitte der 1960er Jahre begannen sich Leiber und Stoller dann aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. 1969 arrangierten sie Is That All There Is für Peggy Lee und waren 1972 Produzenten des Hits Stuck in the middle with you von Stealers Wheel. 1975 produzierten sie Procol's Ninth für Procol Harum. 1980 wurde in London unter dem Titel Only in America eine Werkschau zu ihrem Leben aufgeführt. 1986 schrieben sie auf Einladung Frank Sinatras mit The girls I never kissed dessen letzte Single; 1987 wurden sie in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Das Label Rhino veröffentlichte 1991 den Sampler "There's a Riot Going On", auf dem achtzehn Original Leiber/Stoller-Produktionen zu hören sind, darunter von Big Mama Thornton, Elvis Presley, LaVern Baker, Tom Jones, Ray Stevens und Peggy Lee. Auf dem Broadway wurde 1995 das Musical Smokey Joe's Café uraufgeführt, das 38 Songs von Leiber und Stoller enthält.