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NBC-TV Special (Filmfirma / 1968)

Filmlänge: 60 Minuten
Premiere: 03.12.1968

Beschreibung

Premiere in Deutschland:


Regie: Steve Binder
Produzenten: Steve Binder
Kostüme: Bill Belew
Choreografie: Claude Thompson
Musikalischer Direktor: William Goldenberg

Die Musiker:
Gitarre
- Tom Tedesco, Mike Deasy, Scotty Moore, Charlie Hodge, Elvis Presley
Bass - Larry Knectal
Schlagzeug - Hal Blaine, D.J. Fontana
Piano und Orgel - Don Randi
Chor - The Blossoms
Orchester - Das NBC-Orchester unter der Leitung von W. Earl Brown


Schon im Januar hatte Colonel Parker bekannt gegeben, dass Elvis 1968 eine eigene Show im Fernsehen machen werde. Er stellte sich das so vor, dass Elvis - mit Anzug und Fliege - zwei Dutzend Weihnachtslieder singen und dann artig "Frohe Weihnachten" wünschen solle, um auch dem Sponsor, der SINGER-Nähmaschinenfabrik, gerecht zu werden, die vor allem an ihre Kundinnen dachte, die Nähmaschinen kaufen sollten.

Nicht so dachte aber Steve Binder, der junge Mann, dem man Produktion und Regie übertragen hatte, nachdem Bob Finkel während der Vorbereitungen mit Elvis nicht klargekommen war. Binder gab Elvis deutlich zu verstehen, dass seine Karriere für immer zu Ende sei, wenn er dem ursprünglichen Konzept zustimme. Die erste Auseinandersetzung gab es gleich mit der NBC, als Binder und sein Partner Bones Howe darauf bestanden, die Musik mit einer Achtspurmaschine aufzunehmen und Studiomusiker zu engagieren. Die NBC wollte lediglich ihr Studioorchester und das Ganze in Mono aufnehmen, was ja für die Fernsehausstrahlung damals auch genügt hätte. Aber Binder dachte an ein Soundtrackalbum, was zum nächsten Krach führte, diesmal mit Colonel Parker. Parker erklärte Binder und Howe, sie seien gefeuert, wenn sie noch einmal ein Soundtrackalbum auch nur erwähnten - aber es kam anders, wie wir wissen...

Wegen jeder Kleinigkeit, die dem Colonel nicht passte, wurde nun eine Konferenz einberufen. Eine Szene, die Binder mit zum besten zählte, wurde auf Drängen Parkers zunächst herausgeschnitten, die sogenannte Bordellszene. Es war ein Hohn, sagte Binder, denn auf demselben Kanal erzählte Dean Martin Woche für Woche die schmutzigsten Witze, die man sich denken kann.

Um herauszufinden, wo Elvis musikalisch stand, fragte Binder ihn, ob er (das damals neue) MacArthur Park von Richard Harris aufgenommen hätte, wenn es vorher noch von niemandem gesungen worden wäre. Elvis bejahte das und Steve wusste, dass Elvis sich durchaus darüber klar war, was sich musikalisch tat und ein Teil davon sein wollte.


Am Donnerstag, dem 27. Juni um 18 Uhr war es soweit, 200 Fans waren in ein Studio in Burbank eingeladen worden. Auf der quadratischen Bühne saßen Scotty Moore, D.J. Fotana, Charlie Hodge und Alan Fortas, die Gäste wurden mit den Worten "Welcome to the Elvis Presley Special" begrüßt. Dann kam Elvis, bekleidet mit einem schwarzen Lederanzug. Elvis hatte vorher richtiges Lampenfieber - "Was ist, wenn sie über mich lachen?".

Doch als er auf die Bühne kam und mit That's all right begann - er ergriff das Mikrofon mit zitternden Händen - war alles wie weggeblasen. Plötzlich war es wie 1956, Elvis sang seine alten Hits, unterhielt sich mit seinen Musikern über früher, scherzte, hatte spontane Einfälle. An diesem 27. - um 20 Uhr gab es eine weitere Show mit neuem Publikum - wurde 1 Stunde und 53 Minuten gefilmt und aufgenommen.

Und am Samstag, dem 29. Juni, gab es zwei weitere Auftritte, zusammen etwas über eine Stunde lang. Einen Tag später filmte man die Gospelsequenz und die Guitar man-Szenen.

Für den Schluss wollte Binder etwas Besonderes, eine Botschaft. So beauftragte er W. Earl Brown, seinen Arrangeur, ein Lied zu schreiben. Und Brown kam am nächsten Tag mit If I can dream. Elvis hörte es sich mehrmals an und war begeistert.

Elvis erhielt eine Gage von 3 Millionen Dollar für diese Show. Die etwa sieben Stunden Filmmaterial von allen Proben und Liveauftritten wurden auf eine Stunde zusammengeschnitten und am 3. Dezember 1968 gesendet. Elvis gab in den BBC-Studios eine Pressekonferenz. Er teilte den Reportern mit, er wolle nun bessere Filme machen und 1969 habe er die Absicht, wieder live aufzutreten.


Dienstag, der 3. Dezember 1968:

Der Zeiger der Uhr geht auf 21 Uhr, der Vorspann der Show "Singer präsentiert Elvis" erscheint auf dem Bildschirm und mit dem Einsatz des Orchesters erscheint in Großaufnahme Elvis und singt Trouble. Er trägt dunkle Kleidung und um den Hals hat er ein rotes Tuch gebunden, das von einem Gleitring zusammengehalten wird. Dann gehen die Kameras auf Distanz und man sieht ihn, lässig eine halbakustische E-Gitarre um den Hals gehängt, vor einer Hintergrundkulisse stehen, deren Motiv aus dem Film "Jailhouse Rock" stammt. Die Musik wechselt darauf über in Guitar man.

Darauf erscheint Elvis, in einem Lederanzug gekleidet, und sitzt dann umgeben von zwei seiner früheren Tourneemusiker, Scotty Moore, hier an der Rhythmusgitarre und D.J. Fontana, der hier seine Drumsticks auf einem Gitarrenkoffer betätigt. Des weiteren sind Charlie Hodge (Gitarre) und Alan Fortas (Tambourin) anwesend. Elvis ist der führende Musiker, als Gitarrist und Sänger. Er spielt auf einer Sunburst Gibson Gitarre, beginnend mit Lawdy Miss Clawdy, gefolgt von Baby what you want me to do.

Während des Spielens stoppt er die Musiker und sagt, sie sollen sich seine Lippe ansehen, wobei er sie übertrieben verzieht, wie man es auf alten Fotos sehen kann. Dabei lacht nicht nur Charlie Hodge aus vollem Hals und Elvis sagt, er habe so 29 Filme gedreht. D.J. Fontana gibt ihm ein Stichwort und Elvis erzählt darauf die Begebenheit aus Florida, als er bei seinem Auftritt dort von der Polizei gefilmt wird, er sich nicht bewegen darf und nur den kleinen Finger bewegt, als er Hound dog singt.

Dieses demonstriert er auch dem Publikum hier im Studio und singt Hound dog. (Auch bei seinem Auftritt in Los Angeles im Pan Pacific Auditorium am 29. OKtober 1957 wurde sein Auftritt von der Polizei gefilmt.)

Danach wechselt das Bild und Elvis steht allein auf der Bühne, hängt sich die Gitarre um und singt Heartbreak Hotel, um dann nur mit dem Mikro in der Hand Hound dog und All shook up zu singen. Am Ende setzt Riesenapplaus ein und das Orchester spielt Can't help falling in love. Dann folgt Jailhouse Rock.

Elvis lässt sich von einem Fan ein Taschentuch geben, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen. Es folgt Love me tender, wobei er hier den Text an zwei Stellen aus Jux verändert. Darauf folgt, Elvis wieder auf dem Stuhl sitzend, Are you lonesome tonight. Dann sagt er, er wolle über Musik sprechen, ein kleines bisschen.

Elvis sagt, dass in der Musik ein großer Wechsel in den letzten zehn oder zwölf Jahren eingetreten ist und er glaubt, alles ist verbessert - der Sound, die Musiker und natürlich auch die Toningenieure.

Er mag eine Menge der neuen Gruppen, wie die Beatles oder die Byrds und andere und er mag vieles von der neuen Musik. Aber eine Menge ist von der Grundlage her Rock'n'Roll-Musik, Gospel oder Rhythm and Blues oder entspringt daraus und Leute experimentieren damit.

In seine Aussage hinein ertönt das Intro zu einem Gospelblock und beginnt mit Sometimes I feel like a motherless child, gesungen von "The Blossoms" - den Sängerinnen Darlene Love, Jean King Und Fanita James. Hier zeigt ein schwarzer Tänzer, der Choreograf Claude Thompson, wie man ein Gefühl aus Schmerz und Wehmut tänzerisch ausdrücken kann.

Fingerschnippend geht eine Gruppe zur Bühne, auf der Elvis in einem weinroten Anzug steht und Where could I go but to the Lord singt. Das Tempo wechselt und es folgen Up above my head und darauf Saved.

Die Szene wechselt erneut und Elvis, in Leder und Sologitarre spielend, singt Baby what you want me to do, um darauf zu sagen, dass er nun sein Liebling-Weihnachtslied singt. Es folgt Blue christmas. (In der Wiederholung am 17. August 1969 wird für Blue christmas der Song Tiger man genommen.)

Danach sagt er, dass er noch ein anderes Lied habe und ein anderes Publikum darauf wartet, hereingelassen zu werden. Als er die enttäuschte Reaktion des Publikums hört, sagt er lachend, dass er hier arbeitet. Charlie Hodge beginnt und Elvis setzt ein in One night, wobei er vom Stuhl aufsteht und Charlie ihm das Mikrofon höherstellt. Elvis gibt darauf Scotty Moore die Gitarre und es beginnt Memories, wobei er sich auf die Stufen der Bühne setzt und zwischen zwei Fans dieses Lied singt.

Ein erneuter Szenenwechsel zeigt ihn mit der Gitarre auf dem Rücken vor einer, auf eine Leinwand projezierten Straße, die ins Endlose zu laufen scheint. Es ertönt Nothingville. Darauf folgt Big boss man in einer Bordellszene. Während er dieses Lied singt, bekommt er Ärger mit dem Big Boss Man und dieser zerreißt ihm die Jacke und zertrümmert seine Gitarre. Es folgt darauf eine Ballettnummer mit einem Hauch von Kung Fu und darauf erneut Guitar man.

Elvis als Barsänger, bekleidet mit einer goldenen Jacke und schwarzer Hose, singt Little egypt - während eine Bauchtänzerin krampfhaft versucht, einen Knopf aus ihrem Bauchnabel springen zu lassen. Dann Elvis in Großaufnahme. Während er Trouble singt, zeigt man ihn viermal in verschiedener Garderobe.

Es wechselt in Guitar man. Im Hintergrund sieht man erneut die imitierte Straße, auf die er zugeht, während das Bild ausblendet. Darauf erscheint Elvis in weißem Anzug und singt den Titel If I can fream, der speziell für diese Show von W. Earl Brown geschrieben wurde. Darauf verabschiedet sich Elvis mit den Worten "Than you, good night". Es folgt der Nachspann, in dem Elvis den weißen Anzug trägt, Gitarre spielt und als Instrumental Let yourself go erklingt.


Die TV-Show erhielt gute Kritiken. Ein Reporter schrieb, man merke nicht, dass viele der Lieder zehn oder zwölf Jahre alt seien. Elvis habe sie gesungen, als seien sie gestern geschrieben worden. Er habe mit einer Kraft gesungen, die man heute (1968) nicht mehr von einem Rock'n'Roll-Sänger erwartet habe.

Die Reaktion auf diese Show war riesig und beim Colonel glühten fast die Telefonkabel durch. Er wurde überschüttet mit Angeboten. Überschüttet mit Geschenken wurde Elvis tags darauf, am 4. Dezember, als er an das Tor zur Straße hin kam, von seinen Fans, die ihn überschwänglich feierten.